Cupsieger 2013: WBC TIROL

106 Tage ist es her, dass Pavol Kovác in durchtränkter Kleidung aus dem Wettkampfbecken des Tivoli kletterte. Am Sonntagnachmittag, als er kurz vor Abpfiff des Cupfinales in seinen Taschen wühlte, wusste er wohl, dass es ohnehin nichts half, Geldtasche und Handy konnte er immerhin noch vor dem kühlen Inhalt des USI-Beckens retten. Ihm blieb das unfreiwillige Bad nach dem Endspiel jedenfalls nicht erspart. Eine lange Vorbereitungszeit war dem Meistertrainer allerdings nicht gegönnt – das sehenswerte Finale wurde erst im letzten Viertel entschieden.

Cupsieger 2013: WBC TIROL mit Pavol Kovác beim Trocknen

Der WBC Tirol hat den Cup gewonnen, doch es war dann doch ein nervenaufreibendes Finalspiel, das die Innsbrucker überstehen mussten, um ihren Trainer heuer zum zweiten Mal ins Wasser werfen zu dürfen. Man hatte den Titel regelrecht erzwingen müssen, am Ende gewann man 15:12. Dabei schien nach den bedeutenden Verstärkungen aus der eigenen Jugend und mit dem Neuzugang Tamás Ádám aus Ungarn alles auf eine ungefährdete Titelverteidigung hinzudeuten, die slowakischen Leistungsträger wurden sogar geschont und durften an diesem Wochenende zuhause bleiben.
Doch schon am ersten Spieltag wurde klar, dass man an diesem Wochenende einen WBCT auf Sparflamme erwarten durfte. „Wir sind in der Aufbauphase, zeigen höchstens 60% unseres Leitungsvermögens und arbeiten zu diesem Zeitpunkt der Saison an unserer Grundlagenausdauer“, erklärte Coach Pavol Kovác trocken. Darüber täuschten auch zwei souveräne Siege über verstärkte Grazer und den ambitiösen ASV Wien nicht hinweg: Es fehlte die Spritzigkeit, die Konzentration im Abschluss und die Automatismen in den Überzahlsituationen.

Brenzlig wurde es dennoch in keinem der beiden Vorrunden-Matches am Samstag, die auch im Zeichen der vorsichtigen Anpassung an ein modifiziertes Regelwerk standen. Für Aufregung sorgte allerdings Pippo Perisuttis Verletzung in der Endphase des Spiels gegen Wien, die in den letzten Minuten der längst entschiedenen Partie die Gemüter erhitzte. Eine schwere Verletzung blieb dem Youngster glücklicherweise erspart, sein Nasenbein hielt offenbar dem gegnerischen Ellenbogen stand, obwohl der Anblick Schlimmeres vermuten ließ. Auch ohne Fraktur war Perisutti für den Rest des Turniers außer Gefecht, wo sein Team sonntags ohne große Probleme die Hürde des Semifinals gegen IWV überwand und im Endspiel – wie so oft in den vergangenen Jahren – Paris Lodron Salzburg erwartete.

Die motivierten Mozartstädter hatten sich zuvor in einem wendungsreichen und brisanten Spiel gegen ASV Wien durchgesetzt, den Motivationsschub versuchten sie ins Finale mitzunehmen, was ihnen über weite Strecken sehr gut gelang. Angeführt von ihrem Neuzugang Tamás Gyurováth und am Ende auch mit Spieler-Trainer Christian Stickler, stellten sie Tirol für lange Zeit vor Probleme. Es waren aber vor allem die zahlreichen ausgelassenen Innsbrucker Überzahlsituationen, die den langjährigen Titelkonkurrenten immer wieder ins Spiel zurückbrachten, in dem sich letztlich jedoch Geduld und Beharrlichkeit bezahlt machten. „Es war ein Spiel, das wir 3-4 mal gewinnen mussten“, resümiert Centerspieler Thomas Niklanovic und verweist auf mehrere verpasste Gelegenheiten, sich vom Verfolger entscheidend abzusetzen, der seinerseits zu keinem Moment des Spiels in Führung lag und dennoch nicht abzuschütteln war. Vor allem die Quote der genutzten Powerplays lag weit unter dem Sollwert, auch die Abwehr offenbarte Schwächen, wie Niklanovic moniert: „Sie haben uns zu viele ‚einfache‘ Tore geschossen, während wir ihnen jeden Zählerpunkt regelrecht abringen mussten. Eine schwächere Mannschaft zerbricht an dieser psychischen Belastung. Man kann als positive Erkenntnis sicher mitnehmen, dass wir trotz zahlreicher Fehler als konsolidierte Mannschaft aufgetreten sind und uns rechtzeitig auf unsere Stärken besonnen haben. Solche Siege sind besonders wertvoll und lehrreich“.

Erfreulich war auch die Premiere der Tiroler Neuverpflichtung Tamás Ádám. Der Ungar fügte sich nahtlos in die Mannschaft ein und erwies sich als Verstärkung. Leider fiel er früh im Finale wegen einer Aduktorenzerrung aus, was sich vor allem in der Verteidigung der Innsbrucker bemerkbar machte. Den positiven Eindruck, den er hinterließ, schmälerte dies ebensowenig wie die allgemeine Freude über den ersten Titel der jungen Saison.

Neuzugang Tamás Ádám freut sich über seinen ersten österreichischen Titel

Nicht zuletzt wurde den Zuschauern ein spannendes Aufeinandertreffen geboten, ein richtiges Finale eben, in dem sich beide Mannschaften mit offenem Visier begegneten. Das Ergebnis war fast bis zum Ende ungewiss, Einzelfehler, verschossene Sitzer und Ausschlüsse hielten die Partie offen. Es ließ sich kaum verbergen, dass sich alle Teams noch in einer frühen Phase ihrer Vorbereitung befinden und allesamt noch einiges an Leistungspotential unangetastet ließen. Sechs Wochen vor Beginn der Meisterschaft war der Cup ein aufschlussreicher Gradmesser, der mit vier Spielen in 24 Stunden allen Beteiligten viel abverlangte und auf eine mitreißende Saison hoffen lässt.

Für den WBC Innsbruck war der Cup ebenfalls reich an Erkenntnissen, der Pokalbewerb bot für das Tiroler Farmteam einen Vorgeschmack auf eine schwere Saison, in der man den Elan der letzten Jahre erst finden muss. Die Abgänge zu Tirol wogen im ersten Bewerb sichtlich schwer, das Team um Christian Burtscher musste außerdem stark ersatzgeschwächt antreten und verpasste dennoch nur denkbar knapp das Halbfinale. „Die Wachablöse im WBCI wird keine einfache Aufgabe, doch nun ist es wieder an einer jüngeren Generation, Verantwortung zu übernehmen. Mit Christian Burtscher hat unsere Talenteschmiede einen erfahrenen Spieler dazugewonnen und in voller Besetzung kann der WBCI auch heuer noch für Überraschungen sorgen“, betont Präsident Richard Kössler, der sich auch sonst zufrieden zeigte: „Der erste Titel der Saison ist eingefahren, gleichzeitig diente uns der Pokalbewerb mit dem neuen, verdichteten Modus als perfektes Vorbereitungsturnier. Die Marschroute für die Saison 2013/14 ist also vorgegeben“

Alle Ergebnisse hier.

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